Matthias Walti | Digital werben, digital verkaufen

User login

CAPTCHA

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Von Drupal zu Backdrop CMS
Backdrop CMS ist ein «Fork» von Drupal und fokussiert auf die Erstellung von Websites für kleine und mittlere Unternehmen. Die Produktivität gegenüber Drupal 7, Drupal 8 und sogar Wordpress ist beeindruckend.

Von Drupal zu Backdrop CMS

Backdrop CMS wird zunehmend zur echten Alternative für die Drupal-Plattform: eine sehr leistungsfähige CMS-Lösung für die Erstellung anspruchsvoller KMU-Websites. Die Flexiblität von Drupal wird ergänzt durch Funktionen, die mich als klassischer «Drupal Sitebuilder» zunehmend begeistern. Ein Erfahrungsbericht nach einigen kleineren Projekten mit Backdrop CMS.

Backdrop CMS ist ein sogenannter «Fork» von Drupal. Solche Abspaltungen vom «Mutterprojekt» sind ein wichtiger Kern der Opensource-Idee, aber in der Praxis meistens von erheblichen Nebengeräuschen begleitet. Das war vor über fünf Jahren im Drupal-Projekt nicht anders. Eine Gruppe um Jen Lampton und Nate Haug – beides langjährige Drupal-Entwickler – kündigte an, eine frühe Version von Drupal 8 zu «forken» und fortan eigenständig weiterzuentwickeln.

Warum es Backdrop CMS überhaupt gibt

Was war passiert? Drupal 8 wurde mehr oder weniger von Grund auf neu programmiert und hat mehrere Technologiestandards aus der PHP-Welt adaptiert, statt wie bis dato alles selber zu entwickeln. Der Einstieg für Entwickler aus anderen Welten wurde damit einfacher. Drupal 8 positioniert sich immer deutlicher als Enterprise-Lösung für die universelle Content-Verwaltung. Drupal-Gründer Dries Buytaert nannte als Zielmarkt mehrfach die Entwicklung von «Ambitious Digital Experiences» über mehrere Ausgabekanäle, also nicht nur für Websites.

Das bedeutet aber auch: Drupal 8 ist für kleinere Websites nur noch bedingt geeignet. Das Hosting ist aufwändiger, die objektorientierte Programmierung ebenfalls. Einige Funktionen setzen die Paketverwaltung «Composer» voraus. Die aktuelle Entwicklung orientiert sich stark am Trend zu «Decoupled»-Lösungen, welche den klassischen Theming-Layer zunehmend ergänzen oder sogar ganz überflüssig machen werden.

Drupal 8 ist für klassische Sitebuilder nur noch bedingt geeignet. Gerade die Fehlerbehebung verlangt fundiertes Entwicklerwissen.

Alles schön und gut. Aber gerade für kleine Webprojekte bringen diese Neuerungen vergleichbar wenig Nutzen. Als Drupal-Sitebuilder sehe ich die Vorteile der neuen Funktionen durchaus. Doch sie adressieren oft Probleme, die zwar für Grossprojekte wichtig, für kleinere Websites jedoch mehr oder weniger bedeutungslos sind. Demgegenüber steht jedoch der deutlich höhere Supportaufwand – so ist auch meine persönliche Erfahrung mit Drupal 8.

Das Backdrop-Team hat diese Entwicklung früh erkannt. Insbesondere die inzwischen sehr reale Tendenz, dass KMU und Nonprofit-Kunden sich nach Alternativen umschauen, etwa der höheren Unterhaltskosten wegen. Backdrop positioniert sich nicht zuletzt wegen der Unterhaltskosten als Alternative zu Drupal 8.

Backdrop CMS ist ein Content Management System, das auf Drupal basiert, wie man es kennt und schätzt, aber mit einem anderen Fokus: die Kosten für den Unterhalt von Websites so niedrig wie möglich zu halten.

Drupal und Backdrop adressieren klar unterschiedliche Märkte, und ich nutze wohl auch in Zukunft beide Werkzeuge. Für die klassische Website jedoch sehe ich Backdrop CMS je länger je mehr im Vorteil – sogar wenn man den niedrigeren Supportaufwand mal ausser acht lässt.

Was ein CMS für meine Projekte bieten muss

Meine Arbeit mit Drupal begann mit dem Erscheinen von Drupal 7. Im Jahr 2012 machte ich mich beruflich selbständig. Seither helfe ich kleinen und mittleren Unternehmen, im Web zu werben und zu verkaufen. Ich biete aber – im Gegensatz immer mehr Drupal-Dienstleistern – keine Hilfe bei der Digitalisierung kompletter Business-Abläufe an. Der Fokus sind Websites und Landing Pages für die Kundengewinnung. Gäbe es das Web nicht, wäre ich vermutlich heute Werber oder Texter.

Ich brauche ein Web-CMS nicht, um «die nächste grosse Sache» zu entwickeln oder Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Ich brauche es, um schnell und speditiv Websites online zu bringen, oft auch mit kleinen Budgets.

Das heisst auch: ich bin NICHT an vorderster Front der Entwicklung im digitalen Bereich. Ein Content Management System ist für mich ein Werkzeug, das vor allem zuverlässig zu funktionieren hat. Ich will Projekte rasch und im Idealfall standardisiert umsetzen. Benutzerspezifische Funktionen entwickle ich zunehmend seltener. Und vor allem: das Erstellen von Websites ist eine von mehreren Tätigkeiten, ich befasse mich nicht zu 100% meiner Arbeitszeit damit.

Gross war deshalb meine Begeisterung, als ich vor einigen Jahren das Modul «Features» in Drupal entdeckte. Es erlaubt das Exportieren und Wiederverwenden von Konfigurationen: eine Bildergalerie etwa wird als Feature exportiert und kann immer wieder in neuen Projekten eingesetzt werden. Meine ersten Gehversuche waren zwar recht schwierig. Aber über die Jahre habe ich ein ansehliche Sammlung an Features entwickelt. Die Grundfunktionalitäten in einem neuen Projekt sind oft nach wenigen Minuten bereit: vom Blog über den Produktbereich bis hin zum einfachen Webshop auf Drupal Commerce lässt sich einfach alles per Klick zuschalten.

Die Feature-Funktion ist für mich unentbehrlich. Unvorstellbar auf ein CMS zu wechseln, das nicht mindestens ähnliche Funktionen bietet, allein schon aus wirtschaftlichen Überlegungen. In diesem Bereich kann Backdrop CMS punkten: die Software bietet sehr gute Möglichkeiten,  Konfigurationen zu exportieren und in anderen Projekten zu nutzen. Features in Drupal 8 wiederum hat mich überhaupt nicht überzeugt, ich schaffte auch nach vielen Stunden nicht, ein paar Basisfunktionen meiner D7-Feature-Sammlung nachzubauen.

Ohne ein gutes Konfigurationsmanagement geht in meinen Projekten gar nichts mehr.

Ansonsten geht es mir wie anderen Sitebuildern auch: Irgendwann hatte man gelernt, mit den Unzulänglichkeiten von Drupal 7 zu leben, bis vielleicht auf doch sehr spartanische Medienverwaltung. Aber abgesehen davon kann ich auch heute in Drupal 7 immer noch fast alles umsetzen, was meine Kunden benötigen. Und wie erwähnt: das ganze geht mit meiner Feature-Sammlung sehr schnell.

Damit komme ich zu einem ganz wichtigen Punkt in meiner bisherigen Erfahrung mit Drupal 8: ich bin auch nach vielen Wochen Arbeit damit (über mehrere Jahre verteilt) immer noch sehr langsam, auch bei vergleichsweise einfachen Arbeiten. Erst mit der Zeit realisierte ich, das es Kollegen auch so geht. Ein Forumsteilnehmer meinte, er sei «drei bis fünfmal langsamer» mit Drupal 8. Das mag vielleicht übertrieben sein, aber es deckt sich mit meinen Erfahrungen: Das Erstellen kleinerer Websites in Drupal 8 ist einfach deutlich aufwändiger, als das mit Drupal 7 der Fall war.

Drupal 8 für komplexe Digitalprojekte, Backdrop CMS für Websites.

Ich werde Drupal 8 nach wie vor einsetzen, namentlich für ein grösseres Projekt zur Ablösung mehrere Onlineshops, die derzeit auf Drupal 7 laufen. Aber ich werde wohl längerfristig ein Entwickler-Team beauftragen. Im Bereich e-Commerce kann Drupal 8 seine Stärken voll ausspielen: Skalierbarkeit, Schnittstellen und die Abbildung von Business-Logiken. Für alle anderen Kundenprojekte werde ich vermehrt Backdrop CMS einsetzen – ich bin zunehmend begeistert davon.

Highlights in Backdrop CMS

Konzept

«Backdrop values the needs of the editor and architect over the needs of the developer.» Ein gewichtiger Unterschied zu Drupal, das sich derzeit anschickt, ein führendes System für «Decoupled Websites» zu werden und sich damit klar von den klassischen KMU-Websites abgrenzt.  Backdrop CMS richtet sich ausdrücklich auch an Benutzer von Drupal 7 und Wordpress und bietet Migrationsmöglichkeiten für beide Systeme an.

Stabilität

Backdrop läuft zuverlässig, schnell und stabil. Der Einschätzung eines Backdrop-Forummitglieds am Schluss einer längeren CMS-Evaluation habe ich nichts beizufügen: «Bezüglich Maintainance und Stabilität (…) ist Backdrop bereits besser als Drupal 7, Drupal 8 oder Wordpress, was Module und Plugins betrifft» (Quelle: https://forum.backdropcms.org/forum/maintenance-and-stabiliity#comment-645).

Usability

Backdrop hat gegenüber Drupal 7 Dutzende Verbesserungen im Bereich Usability eingeführt, die sich bei der täglichen Arbeit überall bemerkbar machen. Man merkt den Entwicklern die lange Erfahrung im Bereich Sitebuilding an. So ist etwa in der letzten Version 1.11 eine tolle Vorschaufunktion für Inhalte dazugekommen, die in D7 irgendwie nie richtig funktionierte. Für den nächsten Release ist ein «sticky» Speichern-Button geplant. Erst kürzlich entdeckt habe ich die Funktion, Blocktitel als Blockinhalt anzeigen zu lassen – eine kleine, aber eben endlich eine Lösung für ein klassisches «Sitebuilder-Problemchen». Jeder Release umfasst mindestens ein halbes Dutzend solcher Verbesserungen. Die Backdrop-Site nennt dieses Prinzip «Include features for the majority».  

Neue Features in Drupal 8 finde ich oft interessant, aber mit wenig konkretem Nutzen für meine Art Projekte. Bei Backdrop bin ich oft richtig begeistert von neuen Funktionen, weil sie konsequent den gleichen Fokus haben: das speditive Erstellen hochwertiger Websites.

Strategie und Weiterentwicklung   

Backdrop CMS hat einen klaren Fokus: die Erstellung von Websites mit vernünftigem Aufwand für kleinere und mittlere Organisationen. Eine wichtige Zielgruppe sind Drupal-7-Benutzer, welche nach Alternativen zu Drupal 8 suchen, das «nicht mehr das Drupal ist, das wir kennen», wie Dries Buytaert selber schon mehrfach sagte. Viele neue Features in Backdrop werden vorab diskutiert und darauf geprüft, ob sie für die Zielgruppe wirklich von Nutzen sind. Die Entscheidungsprozesse sind transparenter als bei Drupal. Neue Features sind fokussieren fast immer den Anwendungsbereich «Sitebuilder»

Layout-System

Ein gewichtiger Unterschied zu Drupal 7 liegt bei Backdrop CMS im Layout-System. Auch hier kann man sagen: das Werkezeug konsequent auf die Bedürfnisse von Sitebuildern ausgerichtet und ähnelt am ehesten Drupals “Panels Everywhere”. Das neue Layoutsystem von Drupal 8 wiederum lehnt sich stärker an das Panelizer-Modul an, das ich selber einige Zeit genutzt hatte. Es ist wohl auch hier so: «Layouts» in Drupal 8 ist für die Kreation «anspruchsvoller Digital-Erlebnisse». Das Layoutsystem in Backdrop CMS jedoch ist für Sitebuilder, die innerhalb nützlicher Frist etwas umsetzen und vor allem in späteren Projekten wieder verwenden möchten.

Fazit

«Wenn Drupal und Wordpress ein Kind hätten, es würde wohl ähnlich wie Backdrop CMS aussehen». Diese  Aussage auf Twitter bringt es recht gut auf den Punkt. Backdrop CMS ist das ideale Werkzeug für kleinere Agenturen, denen Wordpress zuwenig strukturiert ist. Wer die Vorzüge des Konfigurationsmanagements und der Layoutfunktion einmal entdeckt hat, wird begeistert sein. Backdrop CMS ist ausgereift, schnell und stabil. Die Software ist zudem äusserst attraktiv für Agenturen und Firmen mit bestehenden Drupal-7-Websites: der Code ist teilweise identisch, die Übernahme von D7-Projekten vergleichsweise einfach. Die Software ist klar auf die Produktion klassischer Websites ausgelegt – wer anspruchsvolle Projekte im Bereich «digitale Transformation» oder “Industrie 4.0” umsetzen will, wird wohl mit Vorteil zu Drupal 8 greifen.

Backdrop CMS eignet sich besonders gut für

  • Drupal Sitebuilder, die mit der Funktionalität von Drupal 7 mehrheitlich zufrieden sind und weniger «The Next Big Thing» suchen
  • Drupal Sitebuilder, die in Projekten immer wieder ähnliche Funktionen benötigen
  • Agenturen ohne internes Entwicklerteam
  • Agenturen mit Fokus auf Websites (und weniger auf umfassenden Digitalisierungs-Projekten)
  • Agenturen, die viele laufende Drupal-7-Projekte laufen haben (es gibt noch hunderttausende Drupal-7-Sites im Web)
  • Wordpress-Projekte, bei denen hohe Anforderungen bezüglich Kategorisierung, Kontext und regelbasierter Datenausgabe bestehen (halt eben die klassischen Drupal-Stärken;-).

Stärken von Backdrop CMS

  • Hervorragendes Konfigurations-Management
  • Deutlich schneller als Drupal 8 und auch schneller als Drupal 7
  • Sehr flexibles und leistungsfähiges Layout-System
  • Viele wirklich praktische Sitebuilder-Funktionen
  • Zahlreiche Usability-Verbesserungen gegenüber Drupal 7
  • Importer für Drupal 7 und Wordpress-Blogbeiträgen
  • Niedrige Kosten für Unterhalt und Hosting (Shared Hosting problemlos möglich)
  • Redaktoren mit Drupal-Kenntnissen finden sich sehr schnell zurecht
  • Ausgesprochen stabiles, schnelles und sicheres System (automatische Core-Updates in Vorbereitung)
  • Vergleichsweise einfache Portierung von Drupal-7-Modulen
  • Einfache Impormöglichkeit von Drupal-7-Projekten (die ich allerdings nicht getestet habe bisher)

Schwächen von Backdrop CMS

  • Mehrsprachigkeit nur Basisfunktionen vorhanden (Node Translation, Übersetzen von Kategorien in Planung)
  • Kaum Module für Suchfunktionen verfügbar (etwa Search API)
  • derzeit noch keine Lösung für granulare Benutzerrechte von Gruppen (Organic Groups, Group Module)
  • Die Medienverwaltung gegenüber D7 zwar verbessert, aber ist halt immer noch recht «drupalish»
  • kleine, aber sehr engangierte und hilfsbereite Entwicklergemeinde
  • nur wenige Themes verfügbar
  • kaum Dokumentation auf Deutsch verfügbar

Links